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Ein Kissen für Adenauer

Wie Bundeskanzler Adenauer für ein Nickerchen in die Messeverwaltung schlich

CDU-Bundesparteitag 1961 in Halle 8 der Kölner Messe, Foto: P. Bouserath, Konrad-Adenauer-Stiftung/ACDP.Einige Monate würden noch bis zum Bau der Berliner Mauer vergehen, als die CDU im April 1961 zu ihrem 10. Bundesparteitag in den Kölner Messehallen zusammenkam. Bundeskanzler Konrad Adenauer begrüßte als Parteivorsitzender die versammelten Mitglieder und stellte den Delegierten das Präsidium des Parteitages zur Wahl. Gut ausgeleuchtet stand er in Halle 8 der Messe und bemerkte während der Abstimmung: „Ich glaube, Widerspruch erhebt sich nicht. Jedenfalls kann ich infolge der Scheinwerfer keine Widersprechenden sehen.“ Heiterkeit bei den Delegierten. Die Wahl war – offenbar einstimmig – gelaufen.

Bundeskanzler und Parteichef Adenauer eröffnet den Bundesparteitag mit einer Rede, Foto: P. Bouserath, Konrad-Adenauer-Stiftung/ACDP.Nach den Eröffnungsreden zur bevorstehenden Bundestagswahl und zur Reise Adenauers in die Vereinigten Staaten, verloren sich die Debatten in Details zum Jugendwohlfahrtsgesetz, zum modernen Bauen sowie dem technischen Berufsbeförderungs-Programm und der 85-jährige Adenauer brauchte eine Pause vom politischen Betrieb, vielmehr ein Nickerchen. Durch einen Hinterausgang verließ er die Halle.

Als Kölner Oberbürgermeister treibt Konrad Adenauer die Gründung einer Messegesellschaft und den Bau eines Messegeländes voran. Das Bild zeigt ihn bei der Eröffnung der Messehallen 1924 im Beisein von Reichspräsident Ebert und Reichskanzler Marx.Das Messegelände kannte er nur allzu gut. War er doch als Oberbürgermeister der Stadt Köln in den 1920er Jahren oberster Bauherr der Messe am Rhein gewesen. Mit seinem Generalschlüssel für sämtliche Schlösser öffnete er Tür um Tür bis er in die Gänge der Messeverwaltung gelangte, um dort ein eigens für ihn eingerichtetes Zimmer aufzusuchen. Neben einigen Büromöbeln war der Raum auch mit einer Liege, Dusche und WC ausgestattet. Nur ein Detail fehlte: ein Kissen für die Liege; und ohne Kissen würde nichts aus dem Schläfchen. „Keine Experimente“ – politisch wie privat.

Konrad Adenauer (2.v.r.) ist 1961 Parteivorsitzender der CDU und sitzt auf dem Parteitag in Köln gemeinsam mit Wirtschaftsminister Ludwig Erhard (links) in der ersten Reihe, Foto: P. Bouserath, Konrad-Adenauer-Stiftung/ACDP.Gegenüber Adenauers Zimmer befand sich das Büro des Hauptkassierers der Kölner Messe, Peter Radermacher, der bis zu jenem Tag im April 1961 nicht gewusst hatte, was es mit dem Zimmer auf der anderen Seite des Gangs auf sich hatte. Peter Radermacher staunte nicht schlecht, als vor seinem Büro der Herr Bundeskanzler stand – ohne Personenschutz, ohne Entourage, ohne Journalisten. Ob er ein Kissen für ihn hätte, wandte sich Adenauer an den Mitarbeiter. Denn er wolle in seinem Büro ein Nickerchen machen.

Peter Radermacher (links) erzählte später dem Kölner Oberstadtdirektor Max Adenauer (Mitte) von dem besonderen Zusammentreffen mit seinem Vater Konrad Adenauer.Doch weder in Peter Radermachers Büro, noch bei Kollegen war ein Kissen aufzutreiben. Die Aufregung um das fehlende Kissen war groß und zu guter Letzt schickte man Frau Klaus aus der Einkaufsabteilung los, die in einem nahegelegenen Geschäft eiligst ein Kissen für den Herrn Bundeskanzler zu besorgen hatte.

Adenauer schwört die Delegierten auf die Wahl ein. Eine Koalition mit der SPD komme nicht infrage, Foto: P. Bouserath, Konrad-Adenauer-Stiftung/ACDP.Vielleicht war es dieser Mitarbeiterin zu verdanken, dass Adenauer ausgeschlafen und erholt in die Messehalle zurückkehrte, um eine kämpferische Schlussrede zu halten. Er appellierte an die Mitglieder, alle Kraft in den bevorstehenden Wahlkampf zu stecken: „Wir müssen arbeiten. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was wir Moskau für ein Vergnügen machen würden, wenn unsere Partei nicht mehr die Mehrheit hätte.“

 

Für den Koelnmesse-Blog erinnerte sich der ehemalige Messemitarbeiter Peter Radermacher, der 1959 als Hauptkassierer zur Messe kam.

 

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