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Ein neues Zuhause am Rhein

Wael Alhalaki erzählt vom Leben und Arbeiten in Köln und wie es sich von seiner Heimat Syrien unterscheidet.

Wael Alhalaki ist Mitarbeiter im Stammdatenmanagement der Koelnmesse.

 „Es ist, als würde man für einen Präsidenten arbeiten, so schick und ordentlich sind die Mitarbeiter“, schildert Wael Alhalaki seinen ersten Eindruck von der Koelnmesse, auf die der 29-Jährige über einen Freund, einen ehemaligen Koelnmesse-Kollegen, aufmerksam wurde. Über ihn erhielt er die Gelegenheit, ein Praktikum im Unternehmen zu machen und nahm dann eine Stelle im Stammdatenmanagement an. In Deutschland arbeite man anders als in Syrien erzählt er: „In meiner Heimat steht die Karriere für die meisten an erster Stelle. Es wird wenig Rücksicht auf Kollegen genommen. In Deutschland sind die Menschen zwar auch ehrgeizig, doch gegenseitiger Respekt und Teamarbeit haben einen hohen Stellenwert. Im Aufzug lächeln mir hier auch unbekannte Kollegen zu. Dadurch fühle ich mich willkommen.“

Köln könnte sein neues Zuhause werden.

Wael Alhalaki lebt seit drei Jahren in Deutschland. Wegen des Krieges floh er aus Syrien nach Europa und landete ungeplant in Deutschland – ohne Deutsch zu sprechen oder hiesige Gepflogenheiten zu kennen. „Anfangs gab es allerlei Missverständnisse“, erinnert er sich und lacht. „Ich war es gewohnt, dass Verkäufer die Lebensmitteleinkäufe für Kunden einpacken. Darauf wartete ich auch im deutschen Discounter und erntete erstaunte Blicke aus der Menschenschlange, die sich hinter mir bildete.“ 

Seine Mentorin und größte Stütze im neuen Alltag war die Frau des ehemaligen Koelnmesse-Mitarbeiters. Alhalaki lernte sie in Bad Breisig im Café International kennen – auf einer Veranstaltung, bei der Einwohner und Flüchtlinge sich in entspanntem Ambiente austauschen können. Als pensionierte Lehrerin war sie genau die Richtige für Deutschunterricht. Die beiden verbindet bis heute ein freundschaftliches Verhältnis. „Ich bin ihr unendlich dankbar, sie hat mir viel ermöglicht“, betont Wael Alhalaki. Sie stellte auch den Kontakt zu einem Professor der Hochschule Remagen her, sodass Wael Alhalaki dort zwei Semester als Gasthörer an Veranstaltungen teilnehmen konnte. Die englischen Seminare „International Business Simulation“ und „Intercultural Communications“ passten zu seinem Profil, da er in Syrien bereits ein Studium mit ähnlichen Schwerpunkten abgeschlossen hat.

An der Hochschule fand er viele Freunde, die ihm die deutsche Lebensweise näher brachten. Bis heute pflegt Wael Alhalaki seine Freundschaften aus der Zeit in Remagen bei regelmäßigen Treffen, hier spricht man auch über Persönliches. Natürlich vermisse er seine Familie und Freunde aus Syrien sehr, die nicht nach Deutschland mitkommen konnten, gibt er zu. Für ein kleines Stück Heimat im Rheinland packen seine Frau und er im Sommer einen Teppich von zu Hause ein und verlegen ihr Abendessen an den Rhein – dort verbringt Wael Alhalaki seinen Feierabend am liebsten. „An heißen Abenden lieben wir es, eine frische Wassermelone direkt am Rhein zu essen – unsere Leibspeise.“, berichtet er. Beruflich wünscht er sich, längerfristig bei der Koelnmesse zu bleiben. „Ich fühle mich sehr wohl und könnte mir vorstellen, hier mein neues Zuhause zu finden.“ 

Fakten über Syrien  

Syrien wird oft als die Wiege der Zivilisation bezeichnet.
Die Hauptstadt Damaskus ist mit über 6000 Jahren eine der ältesten Städte der Welt. Das Land ist etwa halb so groß wie Deutschland. Bevor der Krieg 2011 ausbrach, lebten 21 Millionen Menschen dort. 

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